Weniger ein „Haus“ als vielmehr ein „Raum“ der Begegnung war Leitgedanke des Entwurfs für das neue Gebäude der katholischen Kirche in Heidelberg am Richard-Hauser-Platz.
Dafür schlagen wir eine Passage vor, die alle wichtigen Einrichtungen des neuen Hauses mit dem Platz und der Jesuitenkirche verknüpft. Hinter den barocken Fassaden entlang der Merianstraße entsteht ein moderner Verwaltungsbau, ohne die städtebaulich bedeutsame baukörperliche Identität des alten Hauses preiszugeben.
Der öffentliche Raum setzt
sich im Gebäude durch die passagenartige Erschließung fort, während die
Barockfassade freigestellt und auf ihre ursprünglichen Ausmaße
zurückgebaut wird. Der Platz vor der Jesuitenkirche wird gefasst durch
einen winkelförmigen Baukörper, der durch sein gläsernes Erdgeschoss
einerseits die neugewonnene Offenheit und Transparenz kirchlicher
Organisationen symbolisiert, andererseits durch die geschichtete
Steinfassade aus Jurakalk, durch deren Öffnungen das Gebäude in den
Platzraum strahlt, dem schmalen Baukörper die nötige Schwere verleiht
und die Platzkante klar definiert.
Die Schmalseiten des Winkels sind auch von den angrenzenden Straßen wie der Schulgasse aus sichtbar, zwei Armen gleich greift das Gebäude in den umliegenden Stadtraum aus, schafft sich Raum und Präsenz. An der Augustinergasse zeigt sich der einem Implantat ähnliche Eingriff ebenfalls in neuem Gewand; die hier im kleinen Saal endende Passage erhält eine ähnlich strukturierte, neue Fassade. Durch die Ausbildung des Daches als „fünfte Fassade“ wird der Bau aus der Sicht vom Schloss herab auf die Altstadt zum Teil des Platzes.
Der Raum der Begegnung selbst besteht aus einer dreigeschossigen
Erschließungshalle mit einer skulpturalen „Himmelstreppe“, mit
Ausstellungskonchen, Stegen und Brücken sowie einem langen, in die
Dachhaut geschnittenen Oberlichtband. Hier befinden sich neben dem
Foyer das Bildungswerk, die Zugänge zum Dekanat, zum Kirchenbuchamt und
zu den Beratungsstellen. Es entsteht ein klar gegliedertes Haus mit
größtmöglicher Offenheit, das den Gedanken, ein gemeinsamer Ort für die
kirchlichen Dienste zu sein, ernst nimmt. Der neue, steinerne
Platzbelag setzt sich in den öffentlichen Bereichen des Hauses fort,
das Gebäude beginnt bereits auf dem Platz, und der Platz nimmt sich,
einem Teppich gleich, Raum im Haus. Der große Licht-Raum der Passage
erinnert an die Gassenstruktur der Altstadt, schafft Plätze und Wege,
Durchblicke und öffentliche wie intime Bereiche. Der große Saal im
Untergeschoss ist vom Platz aus einsehbar und über das zweigeschossige
Foyer direkt mit dem Eingang verbunden, während der kleine Saal das
Ende der Passage markiert. Dadurch sind auch getrennte Veranstaltungen
störungsfrei durchführbar.
Das Citypastoral liegt neben dem Eingang am Platz und kann diesen für Veranstaltungen bespielen. Die „Fassade aus Licht“ transportiert nicht nur die gewünschte Offenheit und Transparenz, sondern trägt darüber hinaus deutlich sakrale Züge. Damit wird sie zum Bedeutungsträger für einen unverwechselbaren Ort, der in die Stadt hineinstrahlt und sich zugleich gegenüber der mächtigen Fassade der Jesuitenkirche zu behaupten weiß. Die Lichtöffnungen der Fassade finden ihre Entsprechung in den Lichtstreifen des Platzes, es entsteht ein Spiel zwischen Linie und Fläche, Platz und Fassade, Öffentlichkeit und Kirche. Einem Teppich gleich bildet der Platz den Auftakt zum neuen Gebäude, die dichte Atmosphäre gibt dem Haus bei Abendveranstaltungen ein festliches, einladendes Gepräge.



